TUNESIEN 2001

U.Schneider

 

05.10.01: 05.00 Uhr, endlich Feierabend. Ab ins Auto und nach Bamberg. Komme nur bis zum Rastplatz „Spessart“, da muß ich erst mal die Augen zumachen. 12 Stunden Nachtdienst hinterlassen Spuren. 08.00 Uhr bin ich bei Andi und haue mich erst mal aufs Sofa. Andi fängt das räumen an und Melanie kommt dazu. Ich stehe um 13.00 Uhr auf und helfe mit. Um 15.00 Uhr ist auch Anja da und wir schaffen es tatsächlich den Hänger und den Jeep fertig zu packen. Der „Patrol“ hängt mächtig in den Knien. Um 18.00 Uhr ist dann endlich Abfahrt. Das Auto ist mächtig eng und mit satten 90km/h geht es Richtung Genua.

 

06.10.01: Gegen 08.00 Uhr sind wir endlich im Hafen von GENUA. Mit steifen Knochen beginnt das lange warten. Es ist warm aber naß. 18.00 Uhr, endlich ist die Fähre da. Es sind noch 27°C. 20.15 Uhr, endlich im Bauch der Fähre, die Kabine ist ein Graus. Tragen uns schnell für das Essen ein, 640 FF (~50 DM). Dafür gibt es Abendessen/Frühstück/Mittag. Abends dann noch ein kühles Breiigen in der Bar und der Streß fällt etwas ab. Noch eine Hand voll Wasser ins Gesicht und ab auf die Pritsche.

 

07.10.01: Trotz allem bestens geschlafen. Das Frühstück ist nicht die Wucht. Ausfüllen der lästigen Einreiseformalitäten. Kaffee trinken am offenen Heck, sonst nix zu tun. Noch ein wenig schlafen und um 18.00Uhr die Kabine räumen. 19.00 Uhr legt die Fähre an, um 20.00 Uhr sind wir draußen. REGEN, toll. „Willkommen in Afrika“, denke ich mir. Ruck Zuck sind wir durch den Zoll. Fahrt bis SFAX bis 02.00 Uhr in der Früh. Wir schlagen unser Zelt am Strand auf. Der erste Schreck, ich habe das Überzelt vergessen. Na das geht ja gut los. Die Nacht ist warm und trocken.

 

08.10.01: ohne Frühstück geht es früh los, Richtung GHABES. An den Verkehr muß man sich erst gewöhnen. Das vergessene Überzelt macht mir etwas Kopfzerbrechen. Es ist schwül und bedeckt und gegen 14.30 Uhr kommen wir endlich auf dem Campingplatz in DOUZ an. Ein netter Platz mit einem Unterstand aus Palmenblättern unter dem wir die Zelte aufstellen. Abladen, auspacken und neu sortieren. Die Motorräder vom Hänger und diesen unterbringen. Erste Bastelstunde an den GPS Kabeln. Dank dem Lötkolben kein Problem. Nach dem ersten selbstgemachten Abendessen ziehen wir noch kurz um die Häuser und schauen uns DOUZ an.

 

09.10.01: Halb sieben sind wir alle wach. Frühstück und rauf auf die Mopeds. Nach den ersten 70km Asphalt in Richtung alger. Grenze steigen wir auf die erste Piste ein um in Richtung einiger Original Drehplätze aus den STAR WARS-Filmen zu fahren. Die Piste ist recht einfach. Wir zahlen kräftig Lehrgeld an diesem Tag. Erst vergessen wir den Sprit und so müssen 20 Liter für 3 Motorräder langen, dann fliegt Anja das Kettenschloß weg und das Werkzeug steht auf dem Campingplatz. Wir packen das Motorrad in den Jeep und fahren zurück. Eine DR 600 Dakar paßt wirklich in einen Datsun Patrol Bj. 84. Nach der Bastelstunde bummeln wir noch über den Markt.

 

10.10.01: Das frühe aufstehen geht recht gut. Melanie ist immer mit den Vögeln wach und so ist der Kaffee meist schon fertig wenn wir aufstehen. Über eine Piste wollen wir Richtung KHSAR GHILANE. Wir finden den Einstieg nicht gleich . Dafür gehen wir das erste mal in kleinen Dünen spielen du sammeln erste Tiefsanderfahrungen. Anja buddelt sich gleich bis zur Achse ein. Mir geht es ähnlich aber mit der passenden Technik geht es schnell weiter. Die Zeit verrinnt und so wollen wir noch zu einem Café an der Piste nach GHILANE. Nach rund 8 km von den zu Erwartenden 20 km kehren wir um. Anja ist 2 mal gestützt. Ist nix passiert aber die Kondition ist schon am Ende. Also zurück zum Camp, Pause. Andi und ich gehen um Barbier, auf dem Rückweg noch etwas Obst und Brot kaufen. Auto umpacken für den Weg nach GHILANE. Einige Gesichter von der Fähre sind inzwischen auch hier. Die Mückenbisse werden von den Stiefeln blutig gerieben.

 

11.10.01: Auf nach KHSAR GHILANE. Erst einmal 40 km Asphalt, dann Piste. Harte Steinpassagen, getrennt von Sandlöchern aller Längen und tiefen. Recht abwechslungsreich und für den Anfang recht gut geeignet. Etwas Rally-Feeling kommt auf und 50-60km/h kommen mir verd.... schnell vor. Auf der Pipelinepiste überkommt es mich und ich drehe am Gas was geht. Laut GPS sind es 106,3 km/h. Zugegeben, da war mir schon was mulmig. Wir überholen einige Touristenjeeps, die auch auf dem Weg zum berühmten CAFE BIR SOLTANE sind. Der Tradition folgend, hinterlassen auch wir unsere Visitenkarten im Café und ruhen kurz aus, nachdem die Touris von uns abgelassen haben. Anjas Fahrerisches Können steigert sich zusehends. Weiter auf der Piste erreichen wir endlich die Oase von GHILANE. Zelt aufbauen, Auto abladen und rein in die Badehose und ab in den Teich zum planschen. Das Wasser ist herrlich. Abends noch einen kleinen Dünenspaziergang und in einem Café gibt es sogar Mineralwasser mit Kohlensäure. Ab ins Bett, der nächste Tag wird hart, denn hinter der Oase ist ein traumhafter Spielplatz für Dünen- und Wüstenanfänger.

 

 

12.10.01: Wir beginnen den Tag langsam. Nach gutem Frühstück lassen wir Luft aus den Jeepreifen und auch aus den Motorrädern. Das Dünenfeld hinter dem Campingplatz ist ein Traum für Anfänger. Bis zum alten Fort zieht sich eine rund 4km lange Piste hin, die vom hinsehen schon tiefe Rillen hat. Der Sand ist feinster FESCH FESCH. Die Rillen sind tief. Ich bin zu langsam und haue mich das erste mal hin. Nix passiert. Schlimmer ist das die DR ausgeht und das kicken anstrengend ist. Es sind gut 35°C. Anja gräbt sich gleich am Anfang der Piste wieder ein und bleibt erstemal zurück. Vom Fort aus hat man einen Herrlichen Blick und die Strecke waren für mich die härtesten 4 Kilometer seit der Schweinestiege auf den Munte Le Mic in Rumänien 2000. Meli kommt mit dem Jeep nach und weil ihr das fahren im Sand so eine Laune macht, fährt sie zurück und holt Anja ab. Auf dem Rückweg zum Campingplatz geht alles schon etwas besser und ich traue mich in den 3. Gang. Wir spielen noch etwas in den Dünen wo wir eigene Wege suchen müssen. Zwar sind die Dünenwellen nicht sehr hoch, aber die Kanten recht scharf und es geht bis zu 1,5 Meter senkrecht hinab. So eine Kante falle ich runter und bleibe eingeklemmt unter der Suzi liegen. Außer blauen Flecken und einem verbogenen Bremshebel geht es aber gut aus. Andi verliert leider einen kompletten Film in der Wüste. Abends geht es an den Teich der Oase und später bewundern wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang. Melanie kreiert noch das „Un-Wort“ der Tour.

Sonnen-Untergangs-Kuck-Düne.

 

13.10.01: Auf nach TATAOUINE, die Sondergenehmigung für das Sperrgebiet im Süden holen. 60 Kilometer Piste. Hart und Anspruchsvoll. Steine, Sand, Schotter, kleine Traileinlagen. 50km/h kommen mir unheimlich schnell vor. Meine Konzentration läßt schnell nach da mein Magen nicht in Ordnung ist. Einigemal entgehe ich nur knapp Stürzen. Anja verliert auf der Etappe zwei Schrauben an ihrem Helmschild, ich mein geliebtes Leatherman Super Tool. Das Büro für die Genehmigung hat zu. Mist. Wie so oft in der arabischen Welt taucht plötzlich aus dem Nichts jemand auf der wiederum einen anderen holt und auf einmal ist der zuständige Beamte da. Leider schlagen die Gebühren mit 88 TD mit mehr als dem doppelten der erwarteten Gebühren zu buche. Grund, unbekannt. Plötzlich will der Beamte uns nicht mehr verstehen. Glücklich die Papiere aber zu haben ziehen wir los. Die Landschaft hier ist herrlich und so stelle ich es mir in Teilen der USA vor. Death Vally, so muß es da aussehen. Der Campingplatz gehört zu einem Hotel und ist eigentlich nicht sehr schön. WC und Dusche dürfen wir aber im Hotel nutzen und so sind wir zufrieden.

 

14.10.01: Zwangspause. Der Kühler am Patrol ist undicht. Das Hotel hilft aus und stellt uns einen Fahrer zur Verfügung. Mit einem PEUGEOT Pick-Up aus den 60ern bringt er uns zu einer Werkstadt die wir alleine nie gefunden hätten. Innerhalb von 15 Minuten ist der Kühler gelötet. Einige Rippen abgeklemmt. Preis? Ganze 5 TD, umgerechnet rund 8-9 Mark. Wir treffen 2 Jungs aus Ulm die wir schon in DOUZ trafen. Sie klagen über schlechte Reifenwahl (Metzler KAROO)

 

15.10.01: Ab ins Sperrgebiet. Ziel ist das Bohrloch von BIR AOUINE. Erst fahren wir noch etwas Asphalt, dann geht es in die Weite Südtunesiens wo sowohl Libyen wie auch Algerien nicht weit sind. Die Landschaft ist hier recht weit und es erinnert mich an Reportagen aus der sibirischen Taiga. Wir finden trotz GPS das Bohrloch nicht und erst nachdem wir die Daten mit dem Laptop abgeglichen haben, kommen wir ans Ziel.

Wir bauen die Zelte in der Nähe des Bohrlochs auf. Bei der Suche nach Öl stoß man auf Wasser uns so sprudelt hier, mitten im nichts, herrlich warmes Wasser aus der Erde. Trinkwasser ist es nicht, aber es ist herrlich sich in den kleinen Teich zu setzen. Hat man eine Schaufel oder einen Klappspaten zur Hand kann man sogar einen Badewannenersatz schaufeln. Wir sammeln trockene Büsche und anderes Holz, was von anderen Travellern übrig geblieben ist, und machen ein kleines Feuer. Die Nacht ist schon kühl, und so freuen wir uns über die Wärme des Feuers. Wir sind alleine, weit und breit. Und der Sternenhimmel ist unbeschreiblich schön. So was sieht man hier nicht mehr.

 

16.10.01: Jeder von uns hat Probleme mit dem Magen Darm. Melanie geht es wirklich mies. Glücklicherweise fährt sie das Auto. Motorrad fahren wäre fast unmöglich. Das GPS führt uns in Richtung EL BORMA. Das soll der südlichste Punkt unserer Reise werden. 160km harte Piste. Hier in den östlichen Ausläufern der Sahara wachsen die Dünenberge auf eindrucksvolle Höhe an. Die Gegend an der algerischen Grenze ist von Raffinerien zerfressen und nicht schön. Es wird schwer werden einen schönen Platz zum übernachten zu finden. Bei einer Ölfirma fragen wir nach einem schönen Platz und wie aus heiterem Himmel bietet man uns ein Zimmer zum übernachten an. 18TD pro Nase, incl. Frühstück. Kaffee, Tee und Wasser frei und die Benutzung des Swimmingpools ebenso kostenlos. Abendessen inklusive Getränke rund 5 TD. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und nehmen das Angebot gerne an und wollen 2 Tage bleiben um uns und die Motorräder durch zu sehen und auszuruhen.

 

17.10.01: Bestens ausgeruht nach einer Nacht in einem richtigen Bett sehen wir die Maschinen durch, reinigen Luftfilter, ziehen Schrauben nach, stellen die Federung härter. Danach an den Pool und wir schaffen es uns einen leichten Sonnenbrand zu holen. Andi fährt zur Zahlstelle um die Rechnung zu begleichen. Wieder müssen wir Lehrgeld zahlen. Auf nichts kann man sich verlassen. Plötzlich kosteten Zimmer 18 TD, das Abendessen ebenfalls 18TD und das Frühstück nochmals 5 TD. Auf Nachfrage beim Management sagt man uns nur das die Küche von einem Cateringunternehmen geführt wird und man auf die Preise keinen Einfluß hat. Toll. Nun ist unsere Kasse leer und wir sind gewarnt. Ab sofort werden alle auf einen Preis festgenagelt bevor irgend etwas geschieht.

 

18.10.01: Noch mal gut ausgeschlafen ist um 8 Uhr Abfahrt. Es steht ein Gewaltmarsch von 222 Kilometern zurück nach KSAR GHILANE. Um schnell vorwärts zu kommen nehmen wir die Pipelinepiste die sich von Nord nach Süd durch den südl. Landesteil zieht. Bei KAMOUR ist die Piste neu geschoben und Löcher mit großen Kalksteinbrocken aufgefüllt. Andi wirbelt viel Staub auf und ich fahre oft im Blindflug hinterher. Die tiefen Sandlöcher sieht man oft erst wenn das Vorderrad schon einsinkt. Anja stürzt zwei mal. Passiert ist aber nichts, weder an Mensch noch Maschine. Ich übernehme die Führung und habe so staubfreies Blickfeld.

Andi taucht in meinem Rückspiegel auf und ich glaube das er ein kleine Rennen will und gebe Gas. Was ich erst 15 Minuten später erfahre, als mich Andi doch eingeholt hat, ist, daß er kein Renne wollte sondern mir mitteilen das mein Heck abgebrochen ist. Trotz Demontage des Nummernschilds sind die Rohre gebrochen. Ich warte auf den Jeep, werfe das Teil rein und weiter geht es. Unterwegs treffen wir zwei Bremer mir XRs die noch auf dem Weg in den Süden sind. Die letzten 13 Kilometer fahren wir querfeldein nach GPS. Harte Steinwellen mit Sandlöchern fordern noch mal alles an Kondition. Andi und ich jagen uns etwas und es sind sogar kleine Sprünge möglich. Endlich GHILANE. Wir stellen die Zelte auf der anderen Seite der Oase auf und sparen so die Campingplatzgebühren. Wieder planschen wir im Teich der Oase und genießen Mineralwasser mit Kohlensäure. Die Reifen bauen sehr stark Profil ab und auch der Kettensatz wir auf eine harte Probe gestellt.

 

19.10.01: Endlich mal ausschlafen. Bis 8 Uhr. Anja geht Dromedar-Reiten bis zum Mittag währen Andi und ich im warmen Wasser der Oase sitzen. Wir fahren mit dem Besitzer eines Cafés an der Oase ins ärmliche Dorf GHILANE. Dort gehen wir auf die Suche nach einem Fell für Andis Sitzbank. Tatsächlich hat er Glück und für einen Spottpreis bekommt er ein schönes Fell. Ich habe erst mal Pech. Angeblich will man sich im Dorf umhören und am nächsten Tag zu uns kommen. Andi, Meli und Anja fahren mit dem Jeep Abends zum Fort hinaus uns betrachten den Sonnenuntergang. Ich nutze die Zeit um mal für mich zu sein. Seit zwei Wochen die ersten 90 Minuten nur für mich. Muß auch mal sein.

 

20.10.01: Früh, wie immer, stehen wir auf. Tatsächlich kommt kurz später ein Eselskarren angefahren und ein älterer Mann hat einige Schafsfelle dabei. So komme auch ich zu meinem Sitzbankbezug. Auf der Pipelinepiste geht es nach MATAMTA und in das umliegende Bergland. Die Landschaft ist schroff und felsig und es erinnert mich an eine Art Mondlandschaft (auch wenn ich nie auf dem Mond war). In MEDININI tauschen wir Geld in einem Hotel da es Sonntag ist und so alle Banken zu haben. Der Wechselkurs den wir bekommen ist aber nur unwesentlich anders als auf der Bank. Gut das wir alle Wechselunterlagen der Bank aufgehoben haben und so den Kurs überprüfen können. 20 Kilometer fahren wir durch die Berge. Bis auf 600 Meter über NN. Führt uns der Weg. Die Straße, oder was man unter Straße versteht, ist sehr staubig und die Bremsscheiben quietschen teilweise erbärmlich. Andi und ich haben eine menge Spaß während es für Melanie sehr schwer ist. Nur im ersten Gang kann sie die 20 Kilometer bewerkstelligen. Wir mieten uns in MATMATA in dem Höhlenhotel SIDI DRISS ein. Für 15 TD pro Nase bekommen wir eine urige 4-Bett Kammer plus Abendessen und Frühstück. Das Hotel diente 1976 als Drehplatz für den ersten Teil der STAR WARS-Triologie und so speisen wir in der Orginalkulisse. Wir sitzen sozusagen bei Luke Skywalker im Wohnzimmer. Das Hotel ist eine schöne Anlage und sehr sauber. Der Preis bleibt auch wie versprochen. Das Abendessen ist sehr lecker und wir gönnen uns eine Flasche tunesischen Rosé.

 

21.10.01: Nach einer traumhaften Nacht wollen wir zurück nach DOUZ. Ein älterer Mann klebt an unseren Fersen. Er beschwatzt uns er habe die ganze Nacht auf die Motorräder aufgepaßt und nun wolle er einen angemessenen Lohn. Als wir ihn mehrfach abweisen, wir hatten keinerlei Abmachungen mit ihm getroffen, zieht er, wüßte Beschimpfungen über uns ablassend, von dannen. Man merkt das der Tourismus seine Spuren hinterläßt.

 Nach DOUZ sind es 100 Kilometer Asphalt die recht langweilig sind. Wir sind nun eigentlich schon wieder auf dem Heimweg, denn in DOUZ werden wir den Hänger wieder mitnehmen. Wir bauen die Zelte auf und bis jetzt hat das Wetter immer gehalten das ich mein vergessenes Überzelt nicht vermißt habe. Abends gehen wir in der Stadt bummeln. Feilschen bei Tee um Souvenirs und gehen noch mal zum Barbier. Gemütlich geht der Tag zu Ende und jeder ist gedanklich schon wieder auf der Heimreise, obwohl wir noch einige Tage unterwegs sein werden.

 

22.10.01: Ein letztes Mal wollen wir in den Dünen um DOUZ herum im Sand spielen gehen. Leider müssen wir feststellen das unser Jeep auf dem rechten Hinterrad Luft verliert. Im Ort lassen wir einen der zwei Ersatzreifen aufziehen die wir mit haben. Kaum ist der neue Pneu montiert entscheidet sich der linke Hinterreifen es seinem rechten Kollegen gleich zu tun, und so geht das Spiel von vorne los. Nach allem schrauben ist der Tag nun um und wir haben keinen Sand mehr unter die Räder genommen. Zumindest heute nicht. Wir beginnen nun unsere Kisten umzupacken, um letztendlich nur noch eine pro Mann/Frau zu benötigen und die zweite auf dem Dachgepäckträger zu verbannen. Gesundheitlich sind wir alle wieder auf dem Damm. Abends gehen Andi und ich ins türkische Bad und lassen uns dampfen bei anschließender Massage. Alles für umgerechnet rund 3 Mark pro Person. Als Gute-Nacht-Trunk noch ein kühles Blondes und ab in den Schlafsack.

 

23.10.01: Wieder ist Melanie die erste am Tag und der Kaffee ist schon fertig als sich der Rest der Mannschaft erhebt. Schnell sind die letzten Siebensachen nach dem Frühstück gepackt und in, am und auf dem Auto verstaut. Der Hänger wird angehängt und los geht’s. Wir verlassen DOUZ nach einem letzen Tankstop in Richtung CHOTT EL DJERIT. Die Asphaltstraße quer durch den Salzsee ist recht langweilig und der Hintern tut schnell weh. Ein kurzer Halt in einem kleinen Café dann geht es weiter nach TOZEUR. Dort links ab und weiter Richtung NEFTA. Hinter NEFTA, Richtung Algerien liegt DESSERT CITY. In diesem Dessert City sind die Außenaufnahmen für den ersten Teil der STAR WARS-Saga gedreht worden. (die Wohnanlage von Onkel Owen, da wo Luke C3PO und R2D2 das erste mal trifft) Bis wir dort ankommen haben wir 13 Kilometer übelste FESCH FESCH-Piste vor uns. Ich merke das meine Kondition nach gut 2 Wochen doch etwas nach läßt. Jeder Meter dieser Piste ist mir zuviel und als wir endlich ankommen, müssen wir feststellen das ein Zaun darum gezogen ist an dem das Schild Keep Out hängt. Fremdenführer mit Mietpferden deuten uns den Weg zurück nach TOZEUR der kürzer ist als der gekommene. Na wenigstens etwas, und ganz so sandig ist es auch nicht mehr. Weiter geht es ins Bergland rund um TAMERZA. Dort gibt es zwei natürliche Wasserfälle, die größten in Tunesien, die wir uns noch ansehen wollen bevor es wieder Richtung Norden geht. Die Landschaft ist wieder einmalig. Ich hätte nie gedacht, daß Tunesien so viel Gesichter hat. Um die dünn gewordene Reisekasse zu entlasten wollen wir in der wild-romantischen Gegend um TAMERZA unser Lager aufschlagen. Leider gestaltet sich das sehr schwer da es wegen der Nähe zur algerischen Grenze ein allgemeines Verbot für wildes campen besteht, das von der Garde National auch streng überwacht wird. Nach zähen Verhandlungen gelingt es uns zwei kleine Hütten zu mieten die zu einem Hotelkomplex gehören. Zwar schon das den Geldbeutel nicht, aber es ist uns lieber als Ärger mit der örtlichen Polizei. Zudem gibt es auch Abendessen und Frühstück.

 

24.10.01: Gut geschlafen und gefrühstückt, die Motorräder sind  nun auf dem Hänger,

treten wir die Reise Richtung TUNIS an. Mit dem Gespann ist es eine lange Fahrt und wir überlegen ob es sich wirklich lohnt in die Nacht hinein zu fahren bis TUNIS, oder ob wir uns nicht einfach irgendwo in die Prärie legen. Letztendlich entscheiden wir uns für die lange Fahrt. Eine Nacht mehr im Hotelbett um uns ausgeruht ins Großstadtgetümmel zu stürzen scheint uns sinnvoll. So brummen wir in die stockfinstere Nacht hinein und kurz nach Mitternacht sind wir im Hotel AMILCAR. Müde aber zufrieden gönnen wir uns noch eins, zwei kühle Bier bevor wir in die Federn fallen. Herrlich, ein richtiges Bett.

 

25.10.01: Sonne, blauer Himmel und Temperaturen ende der zwanzig Grad Marke läuten den Tag ein. Leider ist das Frühstück im Hotel ein Greuel. Das aber kann uns nicht entmutigen. Anja geht es leider nicht gut und sie will nicht mit in die Stadt. Wir ziehen trotzdem los. Raus in die Sonne, ein Taxi angehalten und ab in die Stadt. Ein Gewirr von Menschen und Autos. Hupkonzerte, die Trillerpfeifen der Verkehrspolizisten, alles in allem ein ungewohnter Anblick nach rund zweieinhalb Wochen mehr oder weniger Einöde. Das Taxi setzt uns direkt bei den SOUKS ab und da Meli und Andi mich zum Arabienexperten erklären, muß ich in den engen Gassen der Märkte vor gehen. Recht erfolgreich schlagen wir uns durch das Getümmel von Menschen, Obstständen und, und, und. Wie es kaum anders zu erwarten gibt es genug Gelegenheiten einen Teil unsere restlichen Dinar auszugeben was wir auch tun. Als uns die Füße Richtig weh tun, gehen wir noch einen Kaffee trinken und fahren zurück zum Hotel. Dort Treffen wir die Jungs aus Bremen wieder die wir schon auf der Pipelinepiste trafen. Die letzten Dinar gehen am Abend über den Tresen der Hoteldiscothek die ihren Namen eigentlich nicht zu Recht trägt. Mit leichtem Schwindel fallen wir in die Betten. Unsere letze Nacht auf dem Kontinent.

 

26.10.01: Raus aus dem Bett, rein in die Dusche. Das alles flott, denn wir sind spät dran. Jeep und Hänger stehen startbereit auf dem Hof. Da wir nur kleine Rucksäcke mit im Hotel hatten sind wir schnell auf der Straße. Bis nach LA GOULETTE, dem Hafen von TUNIS sind es nur wenige Kilometer. Schnell haben wir einen Platz in der Reihe der wartenden gefunden. Hier treffen wir einige Gesichter von der HABIB wieder und das große Tratschen beginnt. Wer hat was erlebt, wo war wer gewesen und so weiter. Irgendwann geht es los und wir sind RuckZuck durch den Zoll. Das wartende Schiff, die CARTHAGE ist ein riesiger Unterschied zur bekannten HABIB. Erst zwei Jahre alt ist das Schiff und als wir an Bord gehen staunen wir nicht schlecht. Alles vom feinsten. Sauber, hell und freundlich. Die CARTHAGE war im ADAC Fährentest 2001 Testsieger. Unsere Kabine hat 4 richtige Betten und im Gegensatz zu der Kammer auf der Hinfahrt ist sie ein Palast. Da es eine Außenkabine ist, haben wir auch einen schönen Ausblick. Wir lassen uns wieder für das Essen eintragen und gehen auf dem Schiff bummeln. Es ist wirklich ein schönes Schiff. Das Abendessen ist gut, auch wenn wir alle sehr eng sitzen. Ähnelt einer Sardinenbüchse. Müde und zufrieden gehen alle schlafen, ich bleibe noch etwas auf und schreibe Tagebuch.

 

 

27.10.01: Bei ruhiger See und traumhaftem Wetter frühstücken wir mit Blick auf Korsika durch die Große Panoramascheibe. Nach und nach trifft man bekannte Gesichter auf dem hinteren Teil des Sonnendecks und wir setzen unsere restlichen franz. Franc, die als Zahlungsmittel bei der CTN (der Fährgesellschaft) gelten in mehrere Tassen sehr guten Café au Lait um. Gegen frühen Abend laufen wir dann in GENUA ein und das Festland empfängt uns mit dem passenden Wetter für Ende Oktober. Aus dem Bauch der Fähre sind wir genauso schnell wie wir drinnen waren. Den Zoll lassen wir links liegen und raus geht es aus dem Hafengelände. Die Fahrt Richtung Deutschland zieht sich  und in den Gesichtern ist Erleichterung zu sehen als wir endlich wieder in Bamberg sind. Mopeds vom Hänger, Kisten unter vom Dachgepäckträger, und alles halbwegs sortiert. Meine DR wird erst mal hier bleiben da Andi mein Heck schweißen will du auch sonst einiges daran zu machen ist. Nachdem alles soweit erledigt ist, mache ich mich auf die letzen 250 Kilometer der Reise um nach Hause zu kommen.

 

Für mich war es eine sehr eindrucksvolle Reise. Nicht die erste in Wüstenregionen, ich habe mehrere Monate in Kuwait und dem Irak gelebt, aber die erste nach Afrika. Ich habe meine ersten Erfahrungen im Sandfahren gemacht und habe viel gelernt was Fahrtechniken angeht. Für Enduroanfänger ist Tunesien ein gutes Land Erfahrungen zu sammeln. Wer aber glaubt das es überall ein Spaziergang ist, der sei gewarnt. Wir haben genug „Verluste“ zu beklagen und „Lehrgeld“ zu zahlen gehabt. Auch wenn wir einen alten Tunesienhasen dabei hatten. Die Planungen waren recht Umfangreich, obwohl diese hauptsächlich von Andi übernommen worden sind. Trotz allem kann ich jeden nur ermutigen eine Reise zu planen. Wer fragen hat, der wende sich einfach www.enduros.de. (oder an uli@enduros.de)

 

 

Gefahren wurde die Tour von 2 Suzuki DR 350 und einer DR 650 DAKAR. Bereifung: MEFO ‚Stonemaster‘. Die Reifen haben sich mehr als bewährt und sind vom Preis her sehr interessant. (Info: www.mefo.de) Als Begleitfahrzeug diente ein DATSUN Patrol, Baujahr 84 (3 Liter Benziner, V6)

 

Zu guter letzt möchte ich mich bei Andi, Melanie und Anja bedanken für die verrückten, abgefahren, unvergeßlichen 3 Wochen.

 

Danke

 

 

            Uli